zum Inhalt springen

Voting by Veto

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Projektlaufzeit: Juni 2016 bis Dezember 2018

Projektbeschreibung

Voting by Veto [VbV], entwickelt von Dennis C. Mueller, ist ein Abstimmungsmechanismus für kleine und mittelgroße Gruppen. VbV funktioniert wie folgt: Der Entscheidungsprozess besteht aus zwei Stufen. Zunächst macht jedes der n Gruppenmitglieder einen Vorschlag. Die Vorschläge der Gruppenmitglieder bilden ergänzt durch den geltenden Status Quo die Menge der zur Wahl stehenden n+1 Alternativen. Ein Zufallsmechanismus entscheidet über die Reihenfolge der Abstimmung in der zweiten Stufe, in der die Gruppenmitglieder nacheinander eine Alternative eliminieren. Nachdem alle Gruppenmitglieder abgestimmt haben, verbleibt eine einzelne siegreiche Alternative.

VbV hat mehrere theoretische Eigenschaften, die es möglicherweise zu einem geeigneten Entscheidungsmechanismus unter besonders erschwerten Bedingungen wie hoher sozialer oder ökonomischer Heterogenität machen. So führt es immer zu einer eindeutigen Entscheidung. VbV ist neutral, weil keine Alternative (auch nicht der Status Quo) in der Abstimmung begünstigt wird. Am wichtigsten ist aber die theoretische Erwartung, dass VbV zu prozeduraler Fairness und Verteilungsgerechtigkeit führt. So haben Gruppenmitglieder immer die Möglichkeit, ihr Veto gegen die für sie schlechteste Alternative einzulegen. Außerdem setzt VbV Anreize, eine gleiche Verteilung der Gewinne vorzuschlagen. Gleiche Vorschläge rangieren hoch in den Präferenzordnungen aller Abstimmenden. Daher werden Gruppenmitglieder, deren eigener Vorschlag bereits eliminiert wurde, für den Erfolg gleichverteilter Vorschläge arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass VbV eine Gleichverteilung der Auszahlungen generiert, steigt mit der Gruppengröße an. Kollusion zwischen Gruppenmitglieder kann die Fairnesseigenschaften von VbV jedoch konterkarieren. Theoretisch besteht somit die Gefahr der Tyrannei der Mehrheit, wenn sich eine Koalition von Gruppenmitgliedern bildet, um andere Mitglieder von der Verteilung der Gewinne auszuschließen.

Die Fairnesseigenschaften von VbV sind besonders bedeutsam in Situationen mit hohem Konfliktpotential. VbV stellt eine potentielle institutionelle Lösung zur Abmilderung von Konflikten da, da es Konsens in Entscheidungen fördert. Es gibt jedoch kaum empirische Evidenz zur tatsächlichen Wirkungsweise des Mechanismus, da VbV bislang meines Wissens nie in realweltlichen Entscheidungen zur Anwendung gekommen ist. Dieses Projekt möchte diese Lücke schließen. Wenn sich Institutionen wie VbV realweltlich nicht beobachten lassen, stellen Laborexperimente eine ideale Untersuchungsmethode dar. Somit wird dieses Projekt durch die Verwendung experimenteller Methoden Antworten auf drei Forschungsfragen suchen:

  1. Wie beeinflusst Gruppengröße die Entscheidungsfindung unter Voting by Veto
  2. Kann Kollusion zwischen den Gruppenmitgliedern das konsensuale Verhalten unter Voting by Veto gefährden?
  3. Wie beeinflussen soziale Präferenzen wie Reziprozität und Ungleichheitsaversion die Entscheidungsfindung unter Voting by Veto?

Publikationen

  • Sauermann, Jan, and Paul Beckmann. 2017. 'Divide the dollar' using voting by veto. In Jahrbuch für Handlungs- und Entscheidungstheorie. Band 10, edited by E. Linhart, M. Debus and B. Kittel. Wiesbaden: Springer.
    Download
  • Sauermann, Jan, and Paul Beckmann. 2019. The influence of group size on distributional fairness under voting by veto. European Journal of Political Economy, 56: 90-102.
    Download